Im Kino: Killerman

Malik Bader, USA 2019 – Es hat schon etwas sehr Eindrückliches, diese Inszenierung der ersten Szenen von Killerman: Grimmige, dumpfe Musik begleitet ein Auto, das sich langsam über eine Brücke ins Herz einer amerikanischen Großstadt schlägelt, wo ein Mann namens Moe (Liam Hemsworth) ohne viele Worte eine Ladung Bargeld von dem Fahrer entgegennimmt. Er tauscht die Ware gegen Goldbarren, die wiederum wechseln in einem Juweliergeschäft die Theke – und schlussendlich landet der Umsatz auf dem Konto von Mafiaboss Perico (Zlatko Buric), der Moe fortan auch für größere Summen zur Geldwäsche anstellen will. Fast könnte man in diesen ersten Minuten das Gefühl bekommen, hier beginne ein richtig guter Film.

Ganz schnell jedoch stapeln sich die Klischees: Moe und sein Kumpel Skunk (Emory Cohen), zugleich der Pericos Neffe, nehmen bei ihrem ersten Auftrag eine gewaltige Menge Geld entgegen. Als Perico erfährt, dass er im Visier des FBIs ist, gibt er das Signal, alle Aktivitäten einzustellen. Skunk wittert die Gelegenheit auf Profit und überzeugt Moe, von dem Geld mehrere Kilo Kokain zu kaufen, um endlich etwas eigenes zu starten. Der Deal geht natürlich schief: Die beiden entkommen nur knapp einem Trio korrupter Polizisten, auf der Flucht verletzt sich Moe bei einem Unfall so schwer, dass er sein Gedächtnis verliert. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Moe, Skunk, der Mafia und der Polizei.

All das hat man schon zigfach gesehen – und zwar deutlich besser – und Killerman vermag es auch nicht, dem Genre irgendetwas Neues oder Außergewöhnliches hinzuzufügen. Bis auf das durchaus überraschende Ende (vielmehr noch: das moralische Dilemma, das an dieser Stelle aufgemacht wird) wildert Regisseur und Autor Malik Bader in Gefilden, die schon längst auserzählt sind. Empathie will ob der hauchdünnen Charakterzeichnung nicht aufkommen, Spannung deshalb auch nicht. Den Protagonisten nach einem Drittel des Films das Gedächtnis verlieren zu lassen, tut der Identifikation mit ihm ebenfalls alles andere als gut, obwohl Hermsworth hier eine durchaus beachtenswerte, vielschichtige Performance abliefert.

Inhaltlich kommt Killerman zwar reichlich altbacken daher – ästhetisch kommt ihm das aber erstaunlicherweise zugute. Mit seiner düsteren Lichtstimmung, seinen entsättigten Farben und der äußerst groben Bildkörnung erinnert seine Optik an New Hollywood Werke der 1960er und -70er, was der Härte des porträtierten Milieus durchaus Rechnung trägt. In Verbindung mit der distanzlosen, nichtsdestotrotz sauberen Kameraarbeit von Ken Song wird die Ästhetik von Killerman zu seiner größten, wenngleich einzigen Stärke.

Mit freundlichen Unterstützung des Regina Palasts Leipzig.

Bild & Trailer: (c) Wild Bunch Germany

Werbeanzeigen

4 Comments

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.